Alles über unsere Alpen-Gletscher




Gletscherspalten

Was sind Gletscherspalten, wie entstehen sie und welche Arten von Gletscherspalten muss man unterscheiden?

Gletscherspalte mit Schneebrücke
Gletscherspalte mit Schneebrücke im Vallée Blanche bei Chamonix-Mont-Blanc © Eintragung ins Nichts, Creative Commons Lizenz

Gletscherspalten sind Brüche im Gletschereis, inmitten des fließenden Eises. Sie tauchen nur im oberflächennahen Gletscher-Bereich auf und sind daher selten tiefer als 30 Meter. Besonders wenn sie verschneit und damit nicht sichtbar sind, können Gletscherspalten sehr gefährlich für Bergsteiger sein.

Schnee- und Wetterbericht
powered by © Schneehoehen.de

Gletscherspalten entstehen, wenn Störungen in der Gletscherbewegung auftreten und das Gletschereis sich durch Zugbelastung dehnt. Die Gründe hierfür sind wiederum vielfältig und reichen von unterschiedlicher Fließgeschwindigkeit über unebenen, höckerigen Untergrund oder ungleiches Gefälle bis zum Reißen aufgrund des Zusammentreffens mehrerer Gletscher [q10].

Gletscher-Fließen: Viskosität und plastische Verformung

Gletscherspalten entstehen durch Gletscherfließen
Gletscherspalten entstehen durch Gletscherfließen © Luis María Benítez, Chabacano Creative Commons Lizenz

Gletscher ähneln viskosen (zähflüssigen) Gebilden. Je dickflüssiger eine Flüssigkeit ist, desto weniger fließfähig ist sie und desto größer ist ihre Viskosität und die innere Reibung. So beginnt Gletschereis zu fließen, wenn die Masse des Eises genügend groß und seine Oberfläche geneigt ist, so dass die innere Reibung überwunden wird und der Gletscher in Richtung des Oberflächengefälles strömt. [q20]

Auf der anderen Seite kann der Gletscher auch als Einheit gesehen werden, so dass dieses Fließen des Gletschereises nichts anderes ist als eine plastische, das heißt dauerhafte Verformung der Kristalle in Fließrichtung des Eises. [q30]

Druckverflüssigung

Die Gletscher-Fließgeschwindigkeit kann stark schwanken und beträgt zwischen 20 und 20.000 Metern pro Jahr. Das Fließen des Gletschers hängt dabei ab vom Eis-Nachschub, der Gletscher-Größe und dem Gefälle sowie von der so genannten Druckverflüssigung, bei der sich das Eis bei Druck verflüssigt.

Druckverflüssigung
Druckverflüssigung anhand eines Schlittschuh-Beispiels

Wie diese Druckverflüssigung funktioniert, lässt sich am Schlittschuhlaufen erläutern, bei dem das Körpergewicht über die Schlittschuhkufen Druck auf die Eisfläche ausübt: Dieser Druck lässt etwas von dessen Eis schmelzen, es bildet sich ein feiner Wasserfilm, auf dem der Schlittschuhläufer fast "reibungslos" dahingleiten kann.

So ist dies auch beim Gletscher, der genau auf einem solchen Schmelzwasserfilm abwärts strömt. Da sich bei höheren Temperaturen mehr Eis verflüssigt, gleiten manche Gletscher im Sommer deutlich schneller als im Winter. [q35]

2 Arten der Gletscher-Bewegung

Laminare Strömung um ein rundes Objekt
Laminare Strömung um ein rundes Objekt.

Es gibt im Wesentlichen zwei Arten der Gletscher-Bewegung: Viele Gletscher bewegen sich so, wie dies von Zähflüssigem, Viskosen zu erwarten ist, nämlich in Schichten in so genannter laminare Strömung (lamina, lateinisch für "Platte") [q40]. Das Gletschereis gleitet dabei in der Zungenmitte und an der Oberfläche deutlich schneller als am Gletscherzungenrand und am Gletschergrund (dort herrscht fast Stillstand).

Andere Gletscher zeigen genau diese unterschiedliche Bewegungsgeschwindigkeit nicht, sondern bewegen sich en bloque, also mit gleicher Bewegung über den gesamten Gletscher-Querschnitt hinweg. Bei diese so genannten Blockschollenbewegung spielen neben der Druckverflüssigung auch Hindernisse am Boden eine Rolle, also Hügel oder Felsen – so paradox es klingt, sie erhöhen die Geschwindigkeit der Gletscherbewegung, da sie Spannung aufbauen.

Anzeigen
Tiroler Bergsommer

Finde tolle Urlaubsangebote im Tiroler Land. entdecken

Eisvorstöße

Gletscher mündet ins Meer
Gletscher die ins Meer münden, sind oft im unteren Teil schneller. © Luis María Benítez, Chabacano Creative Commons Lizenz

Hinsichtlich dieser Bewegungsmodelle gibt es jedoch individuelle Abweichungen bei den einzelnen Gletschern: So können laminare Strömung und Blockschollenbewegung auch zusammen innerhalb eines Gletschers auftreten; Gletscher, die ins Meer münden, sind oft im unteren Teil schneller, und manche Gletscher, zum Beispiel der südamerikanische Moreno-Gletscher, zeigen regelrechte Eisvorstöße, bei denen sich der Gletscher innerhalb nur weniger Monate kilometerweit vorschiebt.

Scherung

Wichtig ist in diesem Zusammenhang die so genannte Scherung, von der man spricht, wenn sich das Gletschereis so geformt hat, dass benachbarte Teile parallel aneinander vorbeigleiten [q50].

Oft baut sich Spannung zwischen diesen aneinander vorbeiströmenden Teilen, den so genannten Scherflächen, auf: Ist die Fließgeschwindigkeit innerhalb der Eismasse unterschiedlich, kommt es so zu seitlichen (lateralen) Scherspannungen. Und diese wiederum erzeugen an der Oberfläche Gletscherspalten.

3 Arten von Gletscherspalten

Gletscherspalte auf dem Pitztaler Gletscher
Gletscherspalte auf dem Pitztaler Gletscher © Niklas Dehne, Creative Commons Lizenz

Bei den Gletscherspalten unterscheidet man grundsätzlich drei Typen:

Längsspalten oder Radialspalten sind Stauchungsrisse und bilden sich in der Gletscherzunge bei einer stauchenden Eisbewegung sowie wenn sich das Gletschertal verbreitert, so dass sich das Gletschereis zu den Seiten hin ausdehnen kann. Längsspalten verlaufen daher in der Längsrichtung des Gletscherflusses. [q60]

Gletscherbruch

Querspalten oder Gletscherbrüche entstehen oft zwischen hinterem Firnfeld und dem unteren Zungengebiet sowie bei Untergrundunebenheiten und an steilen Stellen, zum Beispiel an Eisfällen. Sie sind quer zur Fließrichtung des Gletschers ausgerichtet. [q70]

Wenn sich das Eis des Gletscherrands verformt, weil sich das Eis dort langsamer bewegt als in der Zungenmitte, treten dort Randspalten (oder Längsrandspalten) als eine schräge Reihe von Eis-Rissen auf. [q80]

Differenzierung

Nicht zu den Gletscherspalten im engeren Sinne gehören Randkluft und Bergschrund, weil sie sich nicht inmitten des strömenden Gletschereises bilden.

Eine Randkluft ist eine Gletscherspalte zwischen Fels und Gletscher, die sich dadurch ausbildet, dass der besonnte, warme Fels das angrenzende Gletschereis abschmilzt. [q90]

Wenn ein Gletscher um einen Felsen herumfließt, können Bergschründe entstehen, das heißt Spalten zwischen erst vom Gletscher abgeschmolzenem, dann am Felsen festgefrorenem Eis und dem eigentlichen, strömenden Gletschereis. [q100]


Weitere Artikel und Empfehlungen

Tiroler Bergsommer

Finde tolle Urlaubsangebote im Tiroler Land. entdecken

Gletscherformen und Typen
Landschaftsgestaltung durch Gletscher