Alles über unsere Alpen-Gletscher




Gletscherformen und -typen

Die Gletscher treten weltweit in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen auf. Um eine Typisierung vornehmen zu können, werden die Merkmale u.a. entsprechend den geomorphologischen Gegebenheiten, der Gletscherbewegungen und der Ernährungsweise festgelegt.

Eisschilde und Inlandseis

Grönland Eisschild
Grönland mit Eisschild

Eisschilde bedecken große Teile der Landmasse. Dazu zählen insbesondere die Inlandseismassen Grönlands und der Antarktis, die 96 % der Vergletscherung der Erde ausmachen. Am Ende der Eisschilde befinden sich schnell fließende Gletscherströme, die Auslassgletscher genannt werden und in der Regel ins Meer münden.

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Plateaugletscher

Plateaugletscher Iceland Grimsvoetn
Plateaugletscher Iceland Grimsvoetn © Roger McLassus, Creative Commons Lizenz

Plateaugletscher, auch Eiskappe genannt, sind auf Hochplateaus beschränkt. Die Bewegungen im Eis des Gletschers sind gegeneinander gerichtet. Zu den Plateaugletschern zählen der Vatnajökull auf Island, dem größten Gletscher Europas, der Jostedalsbreen in Skandinavien oder der Gepatschferner in den Ötztaler Alpen.

Gebirgsgletscher, Talgletscher und Eisstromnetz

Als eigentliche Gletscher werden nicht die Inlandseismassen sondern die Gebirgsgletscher bezeichnet. Diese können als einzelne Talgletscher mit eng begrenztem Einzugsgebiet auftreten, deren Eis sich in einem Tal gesammelt hat oder es durchströmt, sie bewegen sich, bedingt durch die Schwerkraft, immer talwärts. Es ist aber auch möglich, dass die Gletscher sich über Pässe oder niedrige Gebirge hinweg verbinden. Diese Verbindung wird Eisstromnetz genannt.

Charakteristisch für Talgletscher in den Alpen ist, dass sich das Nährgebiet in einer Firnmulde befindet und das Zehrgebiet eine Gletscherzunge aufweist. Die Menge des Schmelzwassers und die Fließgeschwindigkeit des Gletschers ist abhängig von der geografischen Lage und vom Jahresverlauf.

Ein Beispiel für einen Talgletscher in den Alpen ist der Aletschgletscher in der Schweiz. Der größte Talgletscher der Erde, außerhalb der polaren Gebiete, ist der Fedtschenko-Gletscher im Pamir in Tadschikistan. Er weist eine Länge von 77 km auf und ist ca. 3 km breit.

Der größte Talgletscher der Erde ist der Fedchenko Glacier
Der größte Talgletscher der Erde ist der Fedtschenko Glacier

Vorlandgletscher und Alpenvorlandseen

Vorlandgletscher, auch Piedmont-, Gebirgsfuß- und Tieflandgletscher genannt, sind Gletscher, die sich aus einem Gebirge oder aus dem Hochland bis in das tiefer gelegene Vorland erstrecken. Häufig entstammen diese Vorlandgletscher einem Eisstromnetz oder - eher selten - einem großen Plateaugletscher wie z.B. dem Vatnajökull in Island.

Zu einer Vorlandvergletscherung oder Vorlandvereisung kommt es, wenn sich die Zungen von mehreren Vorlandgletschern verbinden. Beispiel für einen Vorlandgletscher ist der Malaspinagletscher in Alaska (USA).

In der letzten Eiszeit, der Würmkaltzeit, die vor 12000 Jahren endete, gab es auch im Alpenvorland Gletscher, wie z.B. der Rhônegletscher, der Rheingletscher, der Inngletscher und der Iller-Lech-Gletscher. An den Stellen, an denen sich die Zungenbecken befanden, liegen heute die großen Alpenvorlandseen.

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Hanggletscher, Hängegletscher und weitere Typen

Hanggletscher treten in der Regel nur in Firnmulden auf. Es sind kleine Ansammlungen von Eis an Berghängen, meist ohne ausgeprägte Zungenbildung, die über eine Wandstufe abbrechen können („Eisbalkon“).

Hängegletscher befinden sich an steilen Felswänden mit einer Neigung von über 40°. Charakteristisch für diese Gletscher ist, dass sie kein Zehrgebiet haben und die Zungen oft abbrechen. Auch gibt es Gletscher, die in tiefer liegenden Hang- oder Talgletschern enden. Ihr Nährgebiet besteht meist aus großen Firnrinnen oder Eiskappen.

Kare stellen eine nischenförmige Hohlform in Gebirgshängen dar. Sie hat steile Seitenwände und Rückwand, einen flachen Boden und eine Schwelle aus Schutt oder Fels. Die Zunge reicht nicht über die Karschwelle hinaus. Die Kare wurden durch die Eiserosion gebildet, d.h. durch den Rückzug ehemals großer Gletscher. Dementsprechend sind die Kargletscher als Reste dieser großen Gletscher anzusehen.

Plateaugletscher Iceland Grimsvoetn
Blockgletscherzunge am Hangerer im Ötztal © Till Niermann, Creative Commons Lizenz

Ein Blockgletscher ist kein eigentlicher Gletscher, denn er besteht aus einem Gemenge aus Schutt und Eis, das sich sehr langsam bewegt. Es werden zwei Typen an Blockgletschern unterschieden: erstens Blockgletscher sind typisch für die Landschaft des alpinen Permafrostes, in dem der Erosionsschutt mit Bodeneis verbunden ist und zweitens ist eine Entstehung auch aus abschmelzenden Kargletschern möglich, in denen dann der Gesteinsanteil überwiegt. Häufig sind Blockgletscher auch in den Hochgebirgsregionen der Erde anzutreffen.

Rundhöcker sind durch die Abtragungstätigkeit (glaziale Erosion) von Gletschern und Eisschilden entstanden. Sie weisen eine längliche Rückenform aus Festgestein auf. Durch Abschleifen (Detersion) und Aushebung (Detraktion) erhielten sie ihre charakteristische Form. Allerdings wird noch diskutiert, ob diese Rundhöcker nicht eher durch die Schmelzwasserflüsse zu ihrer Form kamen.

Es gibt in den Alpen große Rundhöckerlandschaften, besonders häufig und gut geformt sind sie im Bereich der Kare und auf Transfluenzpässen (Übertreten von Gletschern von einem in ein anderes Tal über Gebirgspässe hinweg).


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