Alles über unsere Alpen-Gletscher




Gletscheraufbau

Ein Gletscher besteht aus drei großen Teilen, dem Nährgebiet, dem Zehrgebiet und der Gletscherstirn. Im Folgenden werden diese Bereiche näher beschrieben, wobei anzumerken ist, dass jeder Gletscher Besonderheiten aufweisen kann.

Aufbau eines Gletschers
Aufbau eines Gletschers © Luis María Benítez, Lycaon, Interiot Creative Commons Lizenz

Akkumulation und Schnee-Metamorphose

Die Schneegrenze oder auch Firnlinie, die durch die klimatische Exposition und die geografische Lage bestimmt ist, trennt Nähr- und Zehrgebiet eines Gletschers. Oberhalb der Schneegrenze befindet sich das Nährgebiet, auch Akkumulationsgebiet genannt. In diesem Bereich verwandelt sich der gefallene Schnee in Eis (Schneemetamorphose). Je nach geologischer Gegebenheit kann dieses Gebiet eine Hochfläche, das Firnfeld oder eine muldenartige Senke, die Firnmulde sein.

Als Beispiel für ein Firnfeld steht hier z.B.der Blaisengletscher in Norwegen und als Beispiel für eine Firnmulde der Roßkar in Österreich.

Der Bergschrund ist eine Spalte im Firnfeld und befindet sich im oberen Teil des Gletschers im Akkumulationsgebiet. Er trennt den beweglichen Teil wo das Eis abfließt, vom unbeweglichen Teil (Eis ist festgefroren) des Gletschers. Unterhalb der Schneegrenze befindet sich das Zehrgebiet, auch Ablationsgebiet genannt. Dieser Abschmelzbereich nimmt den größten Teil der Gletscherzunge ein, einem zungenförmigen Bereich im unteren Teil des Zehrgebietes.

Entstehung Gletschereis
Entstehung von Gletschereis

Die Gletscher können sehr unterschiedliche Gletscherdicken aufweisen. Diese können für alpine Gletscher bis zu 800 m, für Eis in der Antarktis und Grönland zwischen 3.000 und 4.000 Meter betragen.

Gletscherfließen

Warum bewegt sich ein Gletscher? Die Gletscher weisen ein großes Eigengewicht auf. Bedingt durch die Schwerkraft, das Gefälle im Gelände und den Untergrund, gleitet der Gletscher mit seiner Felsbasis auf einem dünnen Schmelzwasserfilm dahin. Die Geschwindigkeiten, mit der sich die Gletscher bewegen, sind sehr unterschiedlich und liegen für die Alpengletscher zwischen 30 und 200 Meter pro Jahr bei den Hochgebirgsgletschern Asiens bis zu 800 Meter pro Jahr.

Gletscherspalten

Gletscherspalte mit Schneebrücke
Gletscherspalte mit Schneebrücke im Vallée Blanche bei Chamonix-Mont-Blanc © Eintragung ins Nichts, Creative Commons Lizenz

Durch die Bewegung des Gletschers, aber auch durch die Geschwindigkeit der einzelnen Eiskörper im Eisgefüge und durch Unebenheiten im Gletscherbett entstehen Risse im Gletscher, die Gletscherspalten.

Es liegt in der Natur der Sache, dass durch Dehnung und Scherkräfte sowohl Längs- als auch Querrisse entstehen, die durch Schmelzwasser noch vertieft werden können. Bei der Dehnung entstehen die Längsspalten quer zur Bewegungsrichtung und die Querspalten in Bewegungsrichtung.

Randspalten entstehen bei der Reibung zwischen Eis und Fels in Rand- aber auch in Zentralbereichen des Gletschers. Reichen die Gletscherspalten bis in die Gesteinsschicht, wird von einer Gesteinsmühle gesprochen, bei deren Entstehung das Schmelzwasser Hohlformen spiralförmig in das Eis fräst.

Erosion und Schmelzwasser

Eine weitere Gletschertätigkeit ist die Umformung durch Erosion, bei der aus einem Gletschertal mit der Form eines V-förmigen Kerbtals ein U-förmiges Trogtal entsteht.

Das Gletschertor ist ein höhlenartiges Eisgewölbe in unterschiedlichen Höhen am Ende der Gletscherzunge, aus dem das Schmelzwasser des Gletschers abfließt. Dieser Schmelzwasserabfluss wird Gletschermilch oder Gletscherbach genannt. Dieser Wasserfluss ist starken Schwankungen unterworfen, die abhängig sind von der Tages- und Jahreszeit, vom Niederschlag, von der Schneeschmelze nach dem Winter und von der Eisschmelze des Gletschers im Sommer.

Gletschertor
Gletschertor am Franz-Josef in Neuseeland © Papphase Creative Commons Lizenz

Gletscherstürze, Brüche und Lawinen

Bricht ein Teil eines Gletschers über einem steilen Felshang ab, wird von einem Gletschersturz gesprochen. Bei einem Gletscherbruch tritt durch einen stärkeren Gehängeknick eine Spaltung und Stufung des Gletschers ein. In beiden Fällen kann eine Lawine ausgelöst werden.

Moränen und Ablagerungen

Durch die Bewegung des Gletschers wird Material in Form von Gesteinsschutt, Moräne genannt, transportiert oder abgelagert. Die Gletscherkonferenz von 1899 beschloss in einer Moränen-Nomenklatur, die Moränen in bewegte Moränen (Wandermoränen) und abgelagerte Moränen zu unterscheiden.

Zu den Wandermoränen zählen die Unter-, Innen-, Ober-, Mittel- und Seitenmoränen, zu den abgelagerten Moränen gehören u.a. die Grund- und Endmoränen. Obermoränen stammen aus dem Zehrgebiet, Innenmoränen aus dem Gletscherinnern.

Obermoräne am Noir Gletscher in Frankreich
Obermoräne am Noir Gletscher in Frankreich © Günter Seggebäing, Coesfeld, Germany Creative Commons Lizenz

Bei den Grundmoränen wird der Geröllschutt an der Gletscherbasis abgelagert. Die Endmoränen bilden sich an der Gletscherstirn, wobei sie der Form der Gletscherzunge angepasst sind. Beispiele für Endmoränen sind u.a. in Brandenburg zwischen Chorin und Prenzlau sowie im Landkreis Osnabrück zu finden.

Als Besonderheiten von Gletscherablagerungen sind zum einen die Drumlins zu nennen, dies sind Hügelrücken, die in Richtung der ehemaligen Eisbewegung liegen. Zum anderen finden sich im Gelände immer wieder Findlinge, dies sind größere Gesteinsblöcke, die vom Eis des Gletschers mitgerissen wurden.


Entstehung von Gletschern
Gletscherformen und Typen