Alles über unsere Alpen-Gletscher




Gletscher und die Erderwärmung

Kontinente der Erde
Vor etwa 15.000 Jahren waren große Teile der Nordhalbkugel vergletschert.

Wechselwirkung zwischen Klima und Gletschern

Während der letzten Eiszeit (auch Kaltzeit oder Glazial genannt) vor etwa 15.000 Jahren waren große Teile der Nordhalbkugel, insgesamt 44 Millionen km² oder 32 Prozent der Erdlandoberfläche, vergletschert. Heute sind nur noch 15 Millionen Quadratkilometer oder zehn Prozent des Landes von Gletschern bedeckt. [q10] (Literaturtipp)

Obwohl Gletscher also nur noch einen Bruchteil der Erdoberfläche bedecken, ist die Wechselwirkung zwischen Klima und Gletschern auch heute so groß, dass die Entwicklung von Gletschern als Hinweis für Klimaveränderungen gilt, auch wenn es hier keine einfache Ursache-Wirkungs-Beziehung gibt und zum Beispiel der Rückgang einzelner Gletscher auch andere Ursachen haben kann als den so genannten Klimawandel. [q20]

Klimaveränderungen

Das, was heute als Klimawandel bezeichnet wird, bezieht sich hingegen auf eine globale Erwärmung der Lufttemperatur, der Erdoberfläche und der Meere aufgrund menschlicher (anthropogener) Einflüsse. [q30]

Diese globale Erwärmung bedeutet nicht, dass es nicht regionale Kältewellen geben kann; die durchschnittliche Lufttemperatur soll sich jedoch allein im 20. Jahrhundert um über 0,5 Grad Celsius erhöht haben. [q40]

Prognostiziert werden bis zu 6,4 Grad Celsius wärmere Temperaturen bis 2100. Nicht ganz unumstritten, doch von der Mehrheit der Wissenschaftler vertreten, soll hierfür der steigende Ausstoß der so genannten Treibhausgase verantwortlich sein.

Treibhauseffekt

Viewirtschaft
Besonders die Viehwirtschaft vergrößert die Konzentration der Treibhausgase

Das Verbrennen fossiler Brennstoffe, von Abbauprodukten vorzeitlicher Tiere oder Pflanzen, die Entwaldung und die Landwirtschaft (hier besonders jedoch die Viehwirtschaft) vergrößern die Konzentration der Treibhausgase in der Erdatmosphäre und erzeugen damit den so genannten Treibhauseffekt: Treibhausgase haben ein Absorptionsspektrum, das dazu beiträgt, bestimmte Strahlungen nicht mehr zum Weltall durchzulassen - wie in einem Treibhaus entlässt die Erdatmosphäre so weniger Wärme ins Weltall. [q50]

Treibhausgase: CO2, Methan, Lachgas

Treibhauseffekt
Schematische Darstellung des Treibhauseffekts

Mit Abstand wichtigstes Treibhausgas ist das Kohlenstoffdioxid CO2, das durch Verbrennen von Holz, Kohle, Benzin etc. vermehrt ausgestoßen wird. Da Bäume im Rahmen der Photosynthese, der Umwandlung von energiearmen Stoffen in energiereiche mit Hilfe von Licht, CO2 binden, fördert die Entwaldung großer Landstriche ebenfalls den CO2-Gehalt der Atmosphäre.

Die dauernd, über das ganze Jahr gefrorenen Permafrostböden der Nordkontinente (insbesondere Nordkanada, Alaska, Grönland, Ostsibirien) speichern große Mengen Kohlenstoff – tauen sie auf, wird dies freigesetzt und heizt die Treibhausspirale weiter an. [q60]

Weitere wichtige Treibhausgase sind Methangas (durch Land- und Forstwirtschaft, Tierproduktion, Mülldeponien, Fäulnisprozesse usw.) und Distickstoffmonoxid (Lachgas), das u.a. in der Landwirtschaft durch Stickstoffdünger entsteht. [q70]

Weitere Treibhausgase

Daneben sind außerdem noch zu nennen: Fluorkohlenwasserstoff (ein Treibgas, Kälte-/Feuerlöschmittel), Schwefelhexafluorid und Stickstofftrifluorid, das als stärkstes Treibhausgas gilt, da es sich in der Erdatmosphäre erst nach 3.200 Jahren abbaut, und das als Isolations- oder Löschgas (Dielektrikum) in Hochspannungsschaltanlagen verwendet wird. [q80]

Weltweiter Gletscherrückgang

Antarktis im Jahr 1920
Antarktis im Jahr 1920

Auch wenn jüngste Forschungen zeigen, dass das Inlandeis der Antarktis sogar gewachsen ist – eine globale Erderwärmung muss sich auf die Gletscher auswirken. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gehen sie fast überall zurück und verschwinden teilweise ganz. [q90]

Andererseits wird die aktuelle Periode der Erdgeschichte als eine Zwischeneiszeit (Englisch: interglacial) bezeichnet, und Messungen besagen, dass in dieser Zwischeneiszeit bislang weniger Gletschereis geschwunden ist als in den meisten früheren [q100].

Oft macht man sich allerdings nicht klar, dass auch das geringfügigste Ansteigen der langjährigen mittleren Temperatur die Schneegrenze in die Höhe verlagert. Wenn hierdurch Gebiete, aus denen sich das Eis der Gebirgsgletscher "speist" unter die Schneegrenze fallen, taut der Gletscher stärker ab als gewöhnlich und mehr als er durch Akkumulation ausgleichen kann.

Die Folge: Seine gesamte Oberfläche fällt unter die Schneegrenze – der Rückgang wird hierdurch potenziert. Ein Beispiel ist der Gepatschferner, der in dem heißen Sommer 2003 fünf Meter Eishöhe verlor. [q110]

Folgen des Gletscherrückgangs in den Alpen

Das Verschwinden der Gebirgsgletscher, im Alpenraum seit 1850 deutlich bemerkbar, kann neben dem Aussterben von Pflanzen und Tieren, die auf Gletschern heimisch sind (zum Beispiel Schneehuhn, Gletscherhahnenfuß), schwerwiegende Folgen haben: Wenn im Sommer bisher Gletscher die Flüsse mit Schmelzwasser gespeist haben, kommt es dann dort zu Trockenzeiten, wenn die Gletscher verschwinden.

Gletschereis bindet zudem auf großen Flächen Geröll: Geht der Gletscher zurück, bleiben die losen Steine – es droht dort also vermehrt Steinschlag. [q120]

Folgen des Inlandeis-Schwunds

Eisvolumen im der Antarktis von 1980 bis jetzt
Eisvolumen im der Arktis von 1980 bis 2012

Die Folgen des großflächigen Abschmelzens des Eisschilds an den Polkappen sind dagegen global: Meeresströmungen wie zum Beispiel das Golfstromsystem oder der Humboldtstrom werden dadurch beeinflusst; der Anstieg des Meeresspiegels bedroht wiederum tiefe Länder wie die Malediven, Bangladesch oder die Niederlande.

Golfstrom
Nordamerika ist in schwarz und dunkelblau dargestellt, der warme Golfstrom in rot. Quelle: NASA

Andererseits geben höhere Temperaturen auch Chancen: So können in Grönland inzwischen Kartoffeln angebaut werden, Rohstoffe unterhalb des Meeresbodens in der Arktis, die bisher wegen des Eisschilds unerreichbar waren, können ausgebeutet werden. Gas, Öl, Gold, Silber, Diamanten, die dann in der Arktis erschlossen werden können, dürften aber auch zum Zankapfel der Anrainerstaaten werden. [q130]


Landschaftsgestaltung durch Gletscher
Hintergründe der Gletscherschmelze