Gletscherformen

Entwicklung von Gletschern

Ein Gletscher ist eine Eismasse, die abhängig von mehreren Faktoren aus Schnee entsteht. Diese können zum Beispiel die Hangneigung, Struktur des Eises oder die Temperatur sein. Voraussetzung für die Entstehung eines Gletschers ist unter anderem eine niedrige Temperatur, die langfristig anhält, damit es zum Schneefall kommt. Die klimatische Schneefallgrenze ist die Höhenlinie, ab welcher im Durchschnitt mehr Schnee fällt als abtauen kann. Der Vorgang bei dem sich Schneemassen ansammeln nennt man Akkumulation. Darum heißt auch der Entstehungsbereich eines Gletschers Akkumulationsgebiet (Nährgebiet). Wenn genug Schnee gefallen ist, so dass die unteren Schichten zusammengepresst werden, findet die Metamorphose statt, wobei sich der Schnee mit der Zeit zu Gletschereis umwandelt. Hierbei wird durch den Druck die Luft aus den Hohlräumen des Neuschnees herausgepresst. Zu Beginn sind noch 90 Prozent des Volumens Luft, im Gletschereis kann diese Zahl bis auf 2 Prozent sinken. Das Eis bekommt bei so einem geringen Luftanteil eine bläuliche, manchmal sogar eine leicht grünliche Farbe.

Gletscher bewegen sich talwärts. Ein Grund dafür ist die innere Verformung, auch plastisches Fließen genannt. Wegen des hohen Drucks innerhalb des Gletschers verschiebt sich das Kristallgitter des Eises. Der zweite Grund ist das Gleiten des Gletschers entlang seiner eigenen Basis.

Das Schmelzwasser kann den Gletscher oberflächlich oder subglazial, also darunter, verlassen. Dieses wird dabei dem Massenhaushalt des Gletschers entzogen. Meistens tritt subglaziales Schmelzwasser aus dem Gletschertor aus, einer Öffnung in der Gletscherzunge (am unteren Ende des Gletschers).

Außerdem entstehen durch die Bewegung der Gletscher viele Spalten, die bis zu 40 Meter tief sein können. Wo sich Hindernisse wie Felsblöcke unter dem Eis befinden, entstehen Querspalten, da die Gletscher darüber fließen. Auch wenn der Untergrund steiler wird und das Gletschereis an der Oberfläche schneller fließt, reißt es auf. Wo der Gletscher im Zentrum schneller fließt als am Rand, entstehen Randspalten, dagegen sind Randklüfte beim verstärkten Abschmelzen am Rand keine Seltenheit. Im Bereich der Gletscherzunge ist mehr Platz, das Eis breitet sich aus und es entstehen Längsspalten.

Es gibt vier Grundtypen von Gletschern, die sich je nach Relief, Ausdehnung und Klimazone unterscheiden: Gebirgsgletscher, Vorlandgletscher, Plateaugletscher und Eiskappen bzw. Inlandeis.

Moränen

Gletscher sind feste Körper und können alle Korngrößen, zum Beispiel Ton, Sand und Findlinge (große Blöcke), transportieren. Allgemein nennt man das transportierte Material Moräne. Die Transportleistung ist sehr groß, da Gletschereis große Mengen Material aufnehmen kann. In Moränen sind die Gesteinsmaterialien, im Gegensatz zu den Ablagerungen im Wasser, unsortiert und nicht geschichtet.

Es gibt zwei Arten von Moränen, die Wandermoränen und die abgelagerten Moränen, die nochmals in weitere Arten aufgeteilt sind. Zu den Wandermoränen zählen die Obermoränen, welche aus dem Material bestehen, das von den Felswänden auf den Gletscher stürzt und beim Schmelzen ablagert. Das interglazial (im Gletscher) transportierte Material wird zu Innenmoränen. An der Gletscherbasis bilden sich Untermoränen, deren Material durch die Reibung auf dem Untergrund stark geschliffen und zerkleinert wird. Die Seitenmoränen werden an den Rändern der Gletscherzunge gebildet. Sie bestehen hauptsächlich aus den vorherigen Untermoränen, die zu den Seiten geführt wurden, aber auch aus dem seitlich anstehenden Gestein. Wenn zwei Gletscher zusammenfließen und die Seitenmoränen aneinander stoßen, entstehen Mittelmoränen.

Zu den abgelagerten Moränen gehören die Grundmoränen, die sich unter dem Gletscher aus dem Material der Unter- und Innenmoränen bilden. Drumlins sind längliche Hügel längs der Bewegungsrichtung des Gletschers und bestehen zum größten Teil aus dem Material der Grundmoräne. Am Gletscherende bilden sich Schuttanhäufungen, wenn sich die Gletscherstirn länger nicht bewegt, die Endmoränen. Diese befinden sich in Bogenform um das Zungenbecken. Außerdem gibt es Findlinge. Das sind große Gesteinsblöcke, die vom Eis mitgeführt wurden. Moränen kann man zusätzlich in zwei weitere Gruppen nach der Entstehungszeit aufteilen. Die Jungmoränen entstanden in der Weichseleiszeit oder Würmeiszeit und Altmoränen stammen aus den vorherigen Eiszeiten.

Glaziale Serie

In Mitteleuropa nennt man Landschaftsformen, die in einer bestimmten Reihenfolge durch jeden Gletschervorstoß während der pleistozänen Vergletscherungen gebildet wurden, glaziale Serie. Um vollständig zu sein, besteht diese idealerweise aus einer Grundmoräne mit einem Zungenbecken, einer Endmoränenkette, die sich bogenförmig darum legt und einem Schotterfeld oder einer Sanderebene vor der Endmoränenkette, die aus sandigen Ablagerungen des Schmelzwassers besteht. Außerdem gehört das Urstromtal, das quer zur Fließrichtung des Gletschers liegt, dazu. Darin kann das Schmelzwasser des Gletschers abfließen. Die vollständige glaziale Serie entsteht jedoch erst, wenn der Eisrand für eine längere Zeit stabil bleibt und somit nicht immer wieder von den Bewegungen des Gletschereises zerstört wird.